The growth and development of living organisms from the thermodynamic point of view

Dieser Artikel wendet Prigogines Thermodynamik offener Systeme an, um ein Gesetz für das individuelle Wachstum und die Entwicklung von Organismen zu formulieren, eine Methode zur Schätzung der spezifischen Entropie zu entwickeln und experimentell einen Rückgang dieser Entropie im evolutionären Verlauf von Hefe über Insekten und Reptilien bis zu Vögeln nachzuweisen.

Alexei A. Zotin, Vladimir N. Pokrovskii

Veröffentlicht Thu, 12 Ma
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Das Leben als Baustelle: Eine thermodynamische Reise

Stellen Sie sich einen lebenden Organismus nicht als statisches Ding vor, sondern als eine riesige, niemals schlafende Baustelle. Diese Baustelle steht mitten in einem Sturm aus Energie und Materie. Der Artikel versucht zu erklären, wie diese Baustelle wächst, wie sie sich organisiert und warum sie im Laufe der Evolution immer „klüger" und komplexer wird.

Hier ist die Geschichte, wie die Autoren das Leben durch die Brille der Physik (Thermodynamik) betrachten:

1. Der Organismus als offene Baustelle

Ein lebender Körper ist wie ein Haus, das ständig renoviert wird. Es ist kein geschlossener Kasten; es tauscht ständig Dinge mit der Umgebung aus.

  • Der Input: Es bekommt frische Baumaterialien (Nahrung) und Energie.
  • Der Output: Es wirft Abfall und Hitze aus.
  • Das Ziel: Die Baustelle will nicht nur stehen bleiben, sondern wachsen und sich entwickeln.

Die Autoren nutzen die Ideen des Nobelpreisträgers Ilya Prigogine. Er sagte im Grunde: „Wenn ein System offen ist und Energie fließt, kann es sich selbst organisieren, anstatt nur in Chaos zu zerfallen."

2. Der Bauplan und die drei Teams der Arbeiter

Stellen Sie sich vor, in dieser lebenden Baustelle arbeiten drei verschiedene Teams von „internen Variablen" (das sind physikalische Größen, die den Zustand beschreiben). Die Autoren teilen sie in drei Gruppen ein, je nachdem, wie schnell sie arbeiten:

  • Team 1: Die Architekten (Das Erbgut/DNA)

    • Die Analogie: Das sind die Architekten mit dem blauen Bauplan. Sie sitzen im Kern der Zelle. Sie ändern sich kaum, wenn die Zelle wächst. Sie sagen den anderen Teams, was gebaut werden soll. Sie sind der „internen Programmierung" des Lebens.
    • Rolle: Sie halten die Ordnung und den Bauplan fest. Ohne sie wäre es nur ein Haufen Ziegelsteine.
  • Team 2: Die Statiker (Die Organe und Gewebe)

    • Die Analogie: Das sind die tragenden Wände, die Fenster und die Türen. Sie bauen die Struktur des Hauses auf. Wenn ein Organismus wächst, werden diese Strukturen komplexer (mehr Wände, mehr Räume).
    • Rolle: Sie bleiben für eine lange Zeit stabil (wie ein lebender Körper über Jahre). Sie speichern die „Komplexität" des Organismus.
  • Team 3: Die Schnellläufer (Chemische Reaktionen)

    • Die Analogie: Das sind die Maurer, die sofort arbeiten und sofort wieder gehen. Sie mischen Zement, tragen Steine und produzieren dabei viel Hitze und Abfall.
    • Rolle: Sie arbeiten extrem schnell und entspannen sich sofort wieder. Sie sind für den ständigen Energieaustausch und die Hitze verantwortlich, die wir als Körperwärme spüren.

3. Die große Gleichung: Wachstum ist ein Energie-Überschuss

Das Herzstück des Artikels ist eine einfache Idee: Wachstum passiert nur, wenn mehr Energie hereinkommt, als als Wärme verloren geht.

Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Eimer (den Körper).

  • Wenn Sie Wasser (Energie aus Nahrung) hineingießen und genau so viel Wasser als Dampf (Wärme) verdampft, bleibt der Eimer gleich voll. Das ist ein erwachsener, stabiler Zustand.
  • Wenn Sie aber etwas mehr Wasser hineingießen, als verdampft, füllt sich der Eimer langsam. Das ist Wachstum.

Die Autoren nennen diesen Unterschied die ψu\psi_u-Funktion.

  • Formel: Wachstum = (Energie rein) - (Wärme raus).
  • Wenn dieser Unterschied positiv ist, baut der Körper neue Strukturen (Team 2) auf.

4. Das Geheimnis der „Spezifischen Entropie"

Hier wird es spannend. In der Physik ist Entropie oft ein Maß für Unordnung. Je höher die Entropie, desto chaotischer ist etwas.

  • Ein toter Körper ist wie ein Haufen loser Ziegelsteine: hohe Entropie, hohe Unordnung.
  • Ein lebender Körper ist wie ein fertiges, komplexes Schloss: niedrige Entropie, hohe Ordnung.

Die Autoren berechnen die spezifische Entropie (Entropie pro Gramm Körpergewicht).

  • Die Entdeckung: Wenn ein Organismus wächst, bleibt dieser Wert oft konstant oder sinkt sogar leicht. Das bedeutet: Der Organismus wird nicht chaotischer, sondern ordentlicher und komplexer, während er größer wird.

5. Die Evolution als Ordnungsmaschine

Der Artikel vergleicht verschiedene Lebewesen: Hefepilze, Insekten, Reptilien und Vögel.

  • Hefepilze: Einfach, weniger komplex, höhere spezifische Entropie.
  • Vögel: Hochkomplex, präzise, sehr niedrige spezifische Entropie.

Die große Erkenntnis: Im Laufe der Evolution haben Lebewesen gelernt, ihre „Baustelle" immer effizienter zu organisieren. Sie schaffen es, mit der gleichen Menge an Energie eine noch komplexere Struktur (ein niedrigeres Maß an Entropie) aufzubauen. Evolution ist also im thermodynamischen Sinne der Weg zu immer größerer Ordnung und Komplexität.

Zusammenfassung in einem Satz

Das Leben ist wie eine Baustelle, die durch einen kleinen Überschuss an Energie (mehr Input als Wärme-Output) ständig neue, komplexe Strukturen baut und dabei im Laufe der Evolution immer effizienter darin wird, Ordnung aus Chaos zu schaffen.

Die Autoren zeigen uns also, dass Wachstum nicht nur Biologie ist, sondern ein fundamentales physikalisches Gesetz: Leben ist der Kampf gegen die Unordnung, angetrieben durch einen winzigen Energie-Überschuss.