Does Scientific Writing Converge to U.S. English? Evidence from Generative AI-Assisted Publications

Die Studie zeigt, dass der Einsatz generativer KI dazu führt, dass wissenschaftliche Texte von Autoren aus nicht-englischsprachigen Ländern sich zunehmend dem US-amerikanischen Englisch annähern, was auf eine Verringerung sprachlicher Barrieren in der globalen Wissenschaft hindeutet, jedoch auch Fragen zur wachsenden Abhängigkeit von einem einzigen linguistischen Standard aufwirft.

Dragan Filimonovic, Christian Rutzer, Jeffrey Macher, Rolf Weder

Veröffentlicht Wed, 11 Ma
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🌍 Der große Sprach-Check: Macht KI den wissenschaftlichen Texten einen „US-amerikanischen Anstrich"?

Stell dir die Welt der Wissenschaft wie einen riesigen, internationalen Marktplatz vor. Seit jeher ist Englisch die Hauptsprache auf diesem Platz. Wer dort reden will, muss sich an die Regeln halten. Das Problem: Für Forscher, die nicht in englischsprachigen Ländern (wie den USA oder Großbritannien) leben, ist das wie ein schwerer Rucksack. Sie müssen ihre Texte mühsam übersetzen, bezahlen, dass jemand sie korrigiert, und hoffen, dass sie nicht wegen kleiner Grammatikfehler abgelehnt werden.

Im Jahr 2022 kam ChatGPT (und andere KI-Tools) auf den Markt. Das war wie ein plötzlicher, günstiger und super-schneller Dolmetscher, der jedem zur Verfügung stand.

Die Forscher dieser Studie (aus der Schweiz und den USA) haben sich eine riesige Frage gestellt:

Hat diese KI dazu geführt, dass die Texte von Nicht-Englisch-Sprechern nun „amerikanischer" klingen? Haben sie sich dem Standard angeglichen?

Um das herauszufinden, haben sie 5,65 Millionen wissenschaftliche Artikel aus den Jahren 2021 bis 2024 untersucht. Das ist so viel Textmaterial, dass man es sich kaum vorstellen kann – wie ein ganzer Ozean an Wissen.

🕵️‍♂️ Wie haben sie das gemessen? (Die „Stimm-Analyse")

Stell dir vor, jeder wissenschaftliche Artikel hat eine ganz eigene „Stimme". Die Forscher haben eine spezielle KI (genannt SciBERT) benutzt, die wie ein extrem aufmerksamer Lektor funktioniert. Sie hat nicht nur auf Rechtschreibung geachtet, sondern darauf, wie sich der Text anfühlt und welche Wörter er benutzt.

Sie haben zwei Gruppen verglichen:

  1. Die „US-Stimme": Artikel, die nur von Forschern aus den USA geschrieben wurden (das war der Maßstab).
  2. Die „Welt-Stimme": Artikel von Forschern aus anderen Ländern.

Dann haben sie geschaut: Wer hat ChatGPT benutzt? (Das haben sie daran erkannt, dass bestimmte typische KI-Wörter wie „delve", „unveil" oder „crucial" plötzlich viel häufiger in Titeln und Zusammenfassungen auftauchten).

📈 Was haben sie herausgefunden?

Das Ergebnis ist ziemlich klar und kommt wie ein Blitz aus heiterem Himmel:

  1. Die Annäherung: Seit 2022 klingen die Artikel von Nicht-Englisch-Sprechern, die KI benutzt haben, deutlich mehr wie amerikanische Artikel. Sie haben sich sprachlich stark angeglichen.
  2. Wer profitiert am meisten?
    • Die „Fernsten": Forscher aus Ländern, deren Sprache sehr weit vom Englischen entfernt ist (z. B. Asien oder Osteuropa), haben den größten Vorteil. Für sie war der Rucksack am schwersten, und die KI hat ihn am effektivsten abgenommen.
    • Die „Alleine": Wenn ein ganzes Team aus einem Land kommt (keine englischen Co-Autoren), nutzen sie die KI mehr und die Texte werden „amerikanischer".
    • Die „Kleineren": In weniger bekannten, weniger prestigeträchtigen Zeitschriften ist dieser Effekt stärker als in den ganz großen Top-Journals. (Vielleicht weil in den Top-Journals die Texte eh schon perfekt poliert sind, während in den kleineren die KI den Unterschied macht).

🎭 Eine Metapher: Der „Uniform-Check"

Stell dir vor, alle Forscher tragen eine Uniform.

  • Früher: Die englischen Forscher trugen eine perfekt sitzende, maßgeschneiderte Uniform. Die anderen mussten sich ihre Uniform selbst nähen. Oft saß sie etwas schief, oder der Stoff war anders.
  • Heute (mit KI): Die KI ist wie ein 3D-Drucker für Uniformen. Sie nimmt das Design der amerikanischen Uniform und druckt es für alle anderen nach.
  • Das Ergebnis: Plötzlich tragen fast alle die gleiche Uniform. Sie sehen alle gleich professionell aus.

⚖️ Das große „Aber": Ist das gut oder schlecht?

Hier wird es spannend, denn die Studie wirft zwei Seiten auf:

✅ Das Gute (Die Chance):
Die KI hat die Hürden gesenkt. Ein genialer Forscher aus einem kleinen Land, der vorher wegen schlechtem Englisch abgelehnt wurde, kann jetzt seine Ideen so präsentieren, dass sie verstanden werden. Das ist wie eine Tür, die sich öffnet. Mehr Ideen, mehr Vielfalt an Köpfen, die mitreden können.

⚠️ Das Risiko (Die Gefahr):
Wenn alle die gleiche Uniform tragen, verlieren wir vielleicht die eigenen kulturellen Farben.

  • Wenn sich alle Texte zu sehr an den US-Standard anpassen, könnte die Wissenschaft „eintönig" werden.
  • Es ist, als würde jeder auf der Welt plötzlich nur noch auf Englisch mit US-Akzent reden. Wir gewinnen an Verständlichkeit, aber verlieren vielleicht an der einzigartigen Art, wie verschiedene Kulturen Probleme beschreiben.

🎯 Fazit in einem Satz

Die KI wirkt wie ein großer Sprach-Equalizer: Sie hilft denen, die am meisten Schwierigkeiten hatten, sich verständlich zu machen, und lässt sie klingen wie die „Großen" in den USA. Das ist toll für die Fairness, aber wir müssen aufpassen, dass wir dabei nicht unsere sprachliche Vielfalt verlieren.

Die Studie sagt also: Ja, die Wissenschaft wird sprachlich einheitlicher, und das liegt zu einem großen Teil an der KI. Ob das am Ende zu mehr oder weniger guter Wissenschaft führt, hängt davon ab, wie wir mit dieser neuen Macht umgehen.