The DSA's Blind Spot: Algorithmic Audit of Advertising and Minor Profiling on TikTok

Diese Studie zeigt durch einen algorithmischen Audit von TikTok auf, dass die aktuelle Definition von „Werbung" im Digital Services Act (DSA) eine regulatorische Lücke darstellt, die es ermöglicht, dass personalisierte Influencer- und Marketinginhalte trotz des Verbots von profilbasierten Werbeanzeigen für Minderjährige weiterhin wirksam an diese Zielgruppe ausgespielt werden.

Sara Solarova, Matej Mosnar, Matus Tibensky, Jan Jakubcik, Adrian Bindas, Simon Liska, Filip Hossner, Matúš Mesarčík, Ivan Srba

Veröffentlicht Mon, 09 Ma
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Hier ist eine einfache Erklärung der Studie, als würde man sie einem Freund beim Kaffee erzählen, mit ein paar bildhaften Vergleichen.

Das große Problem: Der unsichtbare Verkäufer im Kinderzimmer

Stell dir vor, TikTok ist wie ein riesiges, endloses Einkaufszentrum. Für Erwachsene ist das okay: Sie wissen, wo die Werbung ist, und können sich davon abwenden. Für Kinder und Jugendliche ist das aber gefährlich. Ihr Gehirn ist noch im Bau, sie sind empfänglicher für Werbung und können sich schwerer gegen Manipulation wehren.

Die Europäische Union hat ein neues Gesetz gemacht, den DSA (Digital Services Act). Die Idee dahinter war einfach und gut:

"Keine personalisierte Werbung für Minderjährige!"

Das Gesetz sagt im Grunde: Wenn TikTok weiß, dass ein Nutzer ein Kind ist, darf ihm keine Werbung gezeigt werden, die auf seinen persönlichen Interessen basiert (z. B. keine Spielzeugwerbung für einen Gamer oder keine Kosmetikwerbung für ein Beauty-Interesse).

Der Trick: Der "Blinde Fleck" im Gesetz

Die Forscher von diesem Papier haben TikTok genauer unter die Lupe genommen. Und sie haben etwas Entsetzliches entdeckt: TikTok hält sich formal an das Gesetz, aber tatsächlich wird das Gesetz umgangen.

Stell dir das Gesetz wie einen Zaun vor, der nur einen bestimmten Bereich schützt.

  • Der Zaun (Das Gesetz): Er schützt vor "offiziellen" Werbeanzeigen. Das sind die, die TikTok direkt verkauft und die mit einem kleinen "Werbung"- oder "Gesponsert"-Label gekennzeichnet sind.
  • Das Loch im Zaun: TikTok hat den Zaun so gebaut, dass er nur diese offiziellen Anzeigen abdeckt. Aber was ist mit den Influencern? Was ist mit den Stars, die ein Produkt im Video benutzen, ohne zu sagen "Hey, das ist Werbung"?

Das Gesetz definiert "Werbung" sehr eng. Es zählt nur das, wofür TikTok direkt Geld bekommt. Alles andere – also wenn ein Influencer sich selbst bewirbt oder von einer Marke bezahlt wird, aber es nicht offiziell als Werbung markiert – fällt nicht unter das Verbot.

Der Experiment: Die "Puppen" (Sock-Puppets)

Um das herauszufinden, haben die Forscher ein cleveres Experiment gemacht. Sie haben wie Detektive gearbeitet.

Sie haben zwei Gruppen von "Puppen" (automatisierten Konten) erstellt:

  1. Die Kinder-Puppen: Sie geben an, 16 oder 17 Jahre alt zu sein.
  2. Die Erwachsenen-Puppen: Sie geben an, 20 oder 21 Jahre alt zu sein.

Beide Gruppen hatten exakt dieselben Interessen. Eine Puppen-Paarung mochte zum Beispiel nur Fitness-Videos, eine andere nur Gaming-Videos. Sie haben sich 10 Tage lang auf TikTok bewegt, Videos angesehen und geliked, genau wie echte Nutzer.

Dann haben die Forscher geschaut: Was bekommt das Kind zu sehen? Und was bekommt der Erwachsene?

Was sie herausfanden: Die bittere Wahrheit

Das Ergebnis war eine Mischung aus "Gut gemacht" und "Totaler Betrug".

1. Die offizielle Werbung (Der Zaun funktioniert)
Wenn TikTok eine offizielle Anzeige schaltet (mit dem "Werbung"-Label), dann zeigt sie Kindern tatsächlich fast gar keine personalisierte Werbung. Hier hält sich TikTok an das Gesetz. Das ist gut.

2. Die versteckte Werbung (Das Loch im Zaun)
Aber dann passierte das, was die Forscher als "Blinder Fleck" bezeichnen:

  • Die Kinder-Puppen sahen massenhaft Werbung, die nicht als solche gekennzeichnet war.
  • Diese Werbung war extrem personalisiert. Wenn das Kind Fitness mochte, bekam es 90 % Fitness-Werbung. Wenn es Gaming mochte, bekam es 90 % Gaming-Werbung.
  • Diese personalisierte Werbung war sogar 5- bis 8-mal stärker auf das Kind zugeschnitten als die normale Werbung für Erwachsene!

Der Vergleich:
Stell dir vor, du betrittst ein Spielzimmer.

  • Der offizielle Verkäufer (TikTok-Werbung) steht hinten und darf den Kindern keine Spielzeuge verkaufen, die sie mögen. Das hält er sich.
  • Aber dann kommen 100 Freunde (Influencer) herein. Sie tragen keine Uniformen und sagen nicht "Ich bin ein Verkäufer". Sie spielen einfach mit den Spielzeugen, die das Kind liebt, und sagen: "Schau mal, das ist toll!"
  • Da das Kind denkt, das sei nur ein Freund, kauft es das Spielzeug.
  • Für das Gesetz sind diese Freunde keine Verkäufer, also darf der Verkäufer (TikTok) sie nicht stoppen. Aber für das Kind ist es genau dasselbe: Es wird manipuliert.

Warum ist das so schlimm?

Die Studie zeigt, dass TikTok technisch gesehen das Gesetz einhält, aber das Ziel des Gesetzes verfehlt.

  • Kinder sind immer noch den gleichen Algorithmen ausgesetzt, die ihre Schwächen ausnutzen.
  • Besonders im Bereich "Schönheit" (Make-up, Fitness) ist das gefährlich, da es das Selbstwertgefühl von Teenagern beeinträchtigen kann.
  • Die Plattformen sagen: "Wir haben ein Werkzeug zum Markieren von Werbung bereitgestellt." Aber die Influencer nutzen es kaum, und TikTok kontrolliert nicht, ob es genutzt wird.

Was muss passieren? (Die Lösung)

Die Forscher schlagen vier Dinge vor, um das zu ändern:

  1. Das Gesetz muss breiter werden: "Werbung" darf nicht nur heißen, wenn TikTok Geld bekommt. Es muss auch heißen, wenn ein Influencer Geld bekommt, egal ob er es markiert oder nicht.
  2. TikTok muss die Verantwortung übernehmen: Es reicht nicht, ein Werkzeug anzubieten. TikTok muss aktiv prüfen und sicherstellen, dass Werbung auch wirklich als solche gekennzeichnet ist.
  3. Das Verbot muss gelten: Das Verbot von personalisierter Werbung für Kinder muss auf alle Arten von Werbung angewendet werden, nicht nur auf die offiziellen.
  4. Unabhängige Kontrolle: Es braucht mehr Forscher wie diese, die regelmäßig die Algorithmen "hacken" und prüfen, ob die Gesetze wirklich funktionieren.

Fazit

Die Botschaft ist klar: Wir können Kindern nicht einfach sagen "Schau nicht auf die Werbung", wenn die Werbung sich so gut tarnt, dass sie wie normale Unterhaltung aussieht. Solange das Gesetz nur die "offiziellen" Verkäufer verbietet, aber die "versteckten" Verkäufer ignoriert, bleiben Kinder schutzlos. Es ist Zeit, den Zaun zu reparieren.