Socio-Economic And Demographic Factors Shaping Attitudes Towards Immigrants in Arab Countries and Turkey
Diese Arbeit untersucht, ob etablierte sozioökonomische und demografische Determinanten pro-imigrationsorientierter Einstellungen, wie etwa das Arbeitsangebot, das Einkommen, das Geschlecht, die Bildung und die Religiosität, auf die arabischen Länder und die Türkei im Kontext des wachsenden Anti-Flüchtlings-Sentiments nach dem signifikanten Zustrom von Migranten und Flüchtlingen seit 2020 Anwendung finden.
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Technische Zusammenfassung: Sozioökonomische und demografische Faktoren, die die Einstellungen gegenüber Einwanderern in arabischen Ländern und der Türkei prägen
Problemstellung
Trotz der Tatsache, dass diese Regionen einen erheblichen Teil der weltweiten Flüchtlingspopulation beherbergen – etwa 41,4 Millionen Migranten und Flüchtlinge in arabischen Ländern und der Türkei zusammen (Stand 2020, wobei die Türkei mit 3,6 Millionen die weltweit größte Flüchtlingspopulation aufweist) – mangelt es an empirischer Forschung, die die Determinanten der Einstellungen gegenüber Einwanderern in diesen Regionen analysiert. Während die bestehende Literatur die westlichen Nationen umfassend abdeckt, sind Studien, die sich auf arabische Länder und die Türkei konzentrieren, begrenzt und liefern oft widersprüchliche Ergebnisse. Die vorliegende Arbeit adressiert die Wissenslücke beim Verständnis darüber, wie sozioökonomische und demografische Faktoren (wie Bildung, Einkommen, Geschlecht, Alter, Familienstand, Beschäftigung und Religiosität) die öffentliche Wahrnehmung gegenüber Einwanderern in der Türkei, im Libanon, in Jordanien, in Ägypten und im Irak prägen. Die Autoren stellen fest, dass zwar Theorien über den Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt und kulturelle Bedrohungen existieren, deren Anwendbarkeit auf diese spezifischen Aufnahmeländer jedoch noch unzureichend erforscht ist, insbesondere angesichts der einzigartigen Kontexte langjähriger Flüchtlingskrisen (z. B. Palästinenser) und jüngster Zuströme (z. B. Syrer).
Methodik
Die Studie nutzt Sekundärdaten des World Values Survey (WVS) 7. Welle (2017–2022), der größten grenzüberschreitenden empirischen Zeitreihenuntersuchung, die über 120 Nationen umfasst. Die Analyse konzentriert sich auf eine Stichprobe von 5.598 Befragten aus fünf Ländern: Irak, Ägypten, Türkei, Libanon und Jordanien.
Abhängige Variablen: Die Studie verwendet neun verschiedene abhängige Variablen, die Einstellungen gegenüber Einwanderern repräsentieren und mittels geordneter Probit-Modelle gemessen werden. Diese Variablen erfassen Wahrnehmungen zu:
- Einwanderern, die wichtige Stellen besetzen.
- Der Zunahme von Kriminalitätsraten durch Einwanderung.
- Der Zunahme von Arbeitslosigkeit durch Einwanderung.
- Der Stärkung der kulturellen Vielfalt durch Einwanderung.
- Dem Risiko von Terrorismus durch Einwanderung.
- Sozialen Konflikten durch Einwanderung.
- Der Notwendigkeit, politisch Geflüchteten Asyl zu gewähren.
- Besseren Lebensbedingungen für Menschen aus armen Ländern durch Einwanderung.
- Den allgemeinen Auswirkungen von Einwanderern auf die nationale Entwicklung.
Die Antworten werden auf einer dreistufigen Skala gemessen (z. B. lehne ab, schwer zu sagen, stimme zu).
Unabhängige Variablen: Das ökonometrische Modell umfasst die folgenden sozioökonomischen und demografischen Determinanten:
- Alter: Kontinuierliche Variable.
- Geschlecht: Binär (männlich/weiblich).
- Familienstand: Kategorisch (verheiratet, ledig, geschieden/getrennt lebend, verwitwet).
- Einkommensniveau: Kategorisch (niedrig, mittel, hoch).
- Bildungsniveau: Kategorisch (niedrig, mittel, hoch).
- Beschäftigungsstatus: Kategorisch (Vollzeit, Teilzeit, Selbstständig, Rentner, Hausfrau, Student, arbeitslos, Sonstige).
- Religiosität: Binär (religiös, nicht religiös).
Schätzstrategie: Die Autoren schätzen neun separate geordnete Probit-Regressionen, jeweils eine für jede abhängige Variable und für jedes der fünf Länder. Es werden robuste Standardfehler verwendet, um Heteroskedastizität zu berücksichtigen.
Kernergebnisse
Die Ergebnisse zeigen eine signifikante Heterogenität in den Determinanten der Einstellungen über die fünf Länder hinweg auf und stellen die Vorstellung einer monolithischen „arabischen“ oder „nahöstlichen“ Perspektive auf Einwanderung infrage.
- Libanon: Die Einstellungen sind stark polarisiert und unter bestimmten Demografien oft negativ. Ältere Personen, höher gebildete Menschen und Personen mit hohem Einkommen neigen dazu, negative Ansichten zu vertreten und glauben, dass Einwanderer Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Terrorismus und soziale Konflikte erhöhen und die kulturelle Vielfalt nicht stärken. Im Gegensatz dazu haben nicht-religiöse Personen, Hausfrauen und Arbeitslose im Allgemeinen positivere Ansichten in Bezug auf Sicherheit und Konflikte, glauben jedoch explizit nicht, dass das Land ein besseres Leben für Einwanderer bietet. Bemerkenswerterweise vertreten nicht-religiöse Personen im Libanon Meinungen, die der allgemeinen Bevölkerung hinsichtlich der Asylgewährung entgegenstehen, indem sie glauben, dass Einwanderern kein Asyl gewährt werden sollte. Selbstständige im Libanon lehnen die Gewährung von Asyl ab, was vermutlich auf wirtschaftliche Wettbewerbsbedenken zurückzuführen ist.
- Türkei: Ältere Personen äußern negativere Einstellungen bezüglich der kulturellen Vielfalt, aber positivere Ansichten darüber, dass Einwanderer freie Stellen besetzen. Ledige zeigen positivere Einstellungen zur Stellenbesetzung durch Einwanderer, während geschiedene/getrennt lebende Personen negativere Empfindungen zeigen. Nicht-religiöse Personen neigen eher dazu, zu glauben, dass Einwanderer die kulturelle Vielfalt stärken und keine sozialen Konflikte verursachen. Die Selbstständigen in der Türkei sind pro-Flüchtling, was potenziell auf die Dynamiken des informellen Arbeitsmarktes zurückzuführen ist, in dem Flüchtlinge Niedriglohnsektoren besetzen.
- Jordanien: Frauen glauben signifikant häufiger, dass Einwanderer zu höheren Kriminalitätsraten, Terrorismus und sozialen Konflikten beitragen. Ältere Personen unterstützen eher die Gewährung von Asyl an politisch Geflüchtete. Personen mit hohem Einkommen haben positivere Ansichten bezüglich der Kriminalitätsraten.
- Irak: Höhere Bildung ist stark mit negativen Einstellungen assoziiert, insbesondere mit der Überzeugung, dass Einwanderer Arbeitslosigkeit und soziale Konflikte erhöhen. Dies wird auf die hohe Erwerbsquote von Migranten im Irak zurückgeführt (67 % im Vergleich zu 39 % bei Staatsbürgern), was den wirtschaftlichen Wettbewerb für die Gebildeten intensiviert. Arbeitslose im Irak stimmen nicht zu, dass ihr Land einen überlegenen Lebensstandard für Flüchtlinge bietet.
- Ägypten: Die Ergebnisse sind gemischt, aber im Vergleich zu anderen Regionen generell toleranter gegenüber sozialen Konflikten und Arbeitslosigkeit. Höhere Bildung ist mit positiven Einstellungen assoziert (Ablehnung der Annahme, dass Einwanderer Arbeitslosigkeit oder Kriminalität erhöhen). Jedoch sind Teilzeitbeschäftigte in Ägypten weniger bereit, die Gewährung von Asyl an politisch Geflüchtete zu unterstützen, was wahrscheinlich auf wirtschaftliche Unsicherheit zurückzuführen ist.
Bedeutung und Beiträge
Das Papier behauptet, eine kritische Lücke in der Literatur zu schließen, indem es eine vergleichende Analyse der Determinanten von Einstellungen in fünf bedeutenden Aufnahmeländern liefert, die historisch gesehen Auswanderungsländer waren, aber kürzlich zu wichtigen Einwanderungszielen geworden sind.
- Kontextuelle Nuancierung: Die Studie zeigt, dass Faktoren wie Bildung und Einkommen keine einheitlichen Effekte in der Region haben. Während beispielsweise höhere Bildung in der westlichen Literatur oft mit Toleranz korreliert, korreliert sie im Irak und im Libanon mit negativen Einstellungen aufgrund wahrgenommener wirtschaftlicher Bedrohungen und Bedenken hinsichtlich der Bewahrung der Kultur.
- Demografische Spezifität: Die Forschung hebt die Rolle des Familienstands und der Art der Beschäftigung bei der Gestaltung der Sichtweisen hervor und stellt fest, dass geschiedene Personen oft Pessimismus zeigen, während Selbstständige in der Türkei aufgrund der Arbeitsmarktrealitäten einzigartige Pro-Refugee-Tendenzen aufweisen.
- Politische Relevanz: Durch die Identifizierung der spezifischen demografischen Gruppen, die in jedem Land negative oder positive Ansichten hegen, legt das Papier nahe, dass die Anti-Immigrations-Gesinnung nicht einheitlich ist, sondern durch spezifische lokale wirtschaftliche und kulturelle Ängste (z. B. Arbeitsmarktwettbewerb im Irak, sektorale Balance im Libanon und kulturelle Identität in der Türkei) getrieben wird.
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass ihre Ergebnisse das empirische Verständnis der Flüchtlingsaufnahme im Globalen Süden erweitern, indem sie betonen, dass die Einstellungen der Gastländer durch ein komplexes Zusammenspiel lokaler wirtschaftlicher Bedingungen, historischer Kontexte und spezifischer demografischer Verwundbarkeiten geprägt werden und nicht durch eine einzige universelle Theorie.
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